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Handball-Landesliga Ottobeurer „Rumpftruppe“ erkämpft Remis gegen Herrsching – Warum für die Gastgeber sogar ein Sieg möglich gewesen wäre

 

Ottobeuren Die Macht der ultimativen Entscheidung – in diesem „magischen“ Moment liegt sie buchstäblich in den Händen von Tomislav Sikic. Konzentriert wartet der 31-jährige Kroate des Handball-Landesligisten TSV Ottobeuren an der Siebenmeter-Linie auf den Pfiff des Schiedsrichters. Die Anzeigetafel zeigt 60:00 Minuten, die offizielle Spielzeit ist bereits abgelaufen, doch beim Stand von 26:26 gegen den TSV Herrsching muss der Strafwurf noch ausgeführt werden. So sehen es die Regeln vor. Wenn Sikic trifft, gewinnen die Ottobeurer ihr Heimspiel - so simpel ist die Ausgangslage. Jetzt, in diesen letzten Spielsekunden, richten sich alle Blicke in der gut gefüllten Dreifach-Sporthalle gebannt auf Tomislav Sikic. Die Zuschauer wissen: Die generelle Erfolgswahrscheinlichkeit beim Siebenmeter ist hoch, 70 bis 80 Prozent aller Strafwürfe werden verwandelt, sagt die Statistik. Doch Tomislav Sikic verzweifelt mit seinem Versuch am gut reagierenden Gästekeeper. Es bleibt also beim 26:26, das Spiel ist aus.

Jetzt aber der Reihe nach: Trainer Daniel Berkessel musste gegen Herrsching auf vier Akteure verzichten: Mit Karlo Tomic (Urlaub) und Patrick Kofler (grippekrank) fehlten die zwei besten Torschützen des Teams. Michael Höbel musste wegen seiner Wadenverletzung passen, Filip Matijevic stand urlaubsbedingt nicht im Kader. Berkessels Improvisationstalent beim Kader-Umbau war also gefragt. In der ersten Hälfte agierten die Ottobeurer aus einer stabilen Abwehr heraus. Ihre Spielzüge brachten sie geduldig zum Abschluss. Daran änderte auch die diskussionswürdige Rote Karte gegen Kreisläufer Christian Schaupp nichts (18. Minute). Und so führten die Gastgeber zur Pause mit 14:10. Im zweiten Abschnitt gerieten die Hausherren in Schwierigkeiten. Trainer Berkessel erklärte die nachlassenden Leistungen so: „Wir waren sowohl in der Abwehr, als auch im Angriff ungeduldiger als noch in der ersten Halbzeit.“ Acht Minuten vor Schluss lagen die Ottobeurer mit fünf Treffern Abstand fast schon aussichtslos zurück (19:24). Nun richtete sich der Unmut der Zuschauer gegen diverse Schiedsrichter-Entscheidungen, die Stimmung war gereizt. Die Schlussphase sprengte dann fast den Rahmen des Vorstellbaren: Erst trafen Daniel Dündar, „Juri“ Szovszki und Lukas Hutzenlaub. Dann verkürzte Trainer Berkessel, der sich selbst eingewechselt hatte, mit drei Toren auf 25:26. Auf der Gegenseite hielt Keeper Thoran Mayer 35 Sekunden vor dem Ende sein Team mit zwei starken Paraden im Spiel. Und 26 Sekunden vor Schluss markierte „Micky“ Szücs dann doch noch den frenetisch bejubelten Ausgleichstreffer zum 26:26. Aus dem Blickwinkel von Coach Berkessel war die Punkteteilung letzten Endes „gerecht“. Mit 11:5-Punkten bleibt der TSVO in der Spitzengruppe der Liga. (dp)

 

TSV Ottobeuren – TSV Herrsching 26:26 (14:10)

TSVO Thoran Mayer, Dino Zubac (Torhüter) – Tomislav Sikic (4 Tore), Markus Müller, Fabian Nägele (1), Lukas Hutzenlaub (1), György Szovszki (3 Tore/davon 1 Siebenmeter), Daniel Dündar (8/3), Benjamin Link, Zsolt Novak (3), Stefan Haas (1), Christian Schaupp, Daniel Berkessel (4), Miklos Szücs (1).

Rote Karte Christian Schaupp (18./TSVO).

Schiedsrichter Simon Deuring/Stefan Kupfer (MTSV Schwabing/HSG Freising-Neufahrn).

Zuschauer 350.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Memminger Zeitung (dp)

 

 

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